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04/2011: Da muss der Ohrfandl ran!

AUSNAHMEKÖNNER - Laderaupen werden in immer mehr Firmen durch Bagger ersetzt. Einer der wenigen, der die Möglichkeiten einer Laderaupe noch wirklich zu nutzen weiß, ist Alois Ohrfandl, den wir in seinem Heimatort Franzen im Waldviertel besuchten. Bei so manchen Erdarbeiten hat er mit seinen Laderaupen die eigentlich dafür vorgesehenen Bagger alt aussehen lassen und Leistungen erbracht, bei denen seinen Auftraggebern der Mund offen blieb. Höchste Zeit, den 76-jährigen „König der Laderaupe“ vor den Vorhang zu bitten!

Nachdenken ist angesagt. Wir sitzen in der Küche des Einfamilienhauses in Franzen und blättern in Fotoalben. Wenn jemand plötzlich Auskünfte darüber haben möchte, wie alles anfing, dann muss man sich erst einmal orientieren, in den Jahrzehnten. Immerhin gilt es 50 Jahre Arbeitsleben chronologisch zu ordnen und mit den verschiedenen Gerätetypen abzugleichen! Eine Aufgabe, der sich Alois Ohrfandl ebenso gewissenhaft widmet, wie den Erdarbeiten, die er anschließend für seinen aktuellen Arbeitgeber, die Baufirma Wagner in Schönbach, ausführen wird. Auch wenn er andere Marken probiert hat: Als Raupenfahrer war Alois Ohrfandl immer mit Caterpillar verbunden und so besteht die Schwierigkeit eher in der zeitlichen Einordnung der einzelnen Raupentypen. Hilfreich zur Seite steht ihm Wolfgang Grün, zuständiger Gebietsbetreuer der Firma Zeppelin, der Alois Ohrfandl bereits seit über 30 Jahren kennt und schätzt. Er hilft mit den Antworten weiter, wenn nicht ganz klar ist, welche Maschine in welchem Jahr angeschafft wurde. Doch der Reihe nach.

Den Ehrgeiz in die Wiege gelegt
Geboren im Jahr 1934 in Nondorf, einer Nachbargemeinde von Franzen, verlor Alois Ohrfandl frühzeitig beide Eltern und wuchs in den bescheidenen Verhältnissen einer kleinen Landwirtschaft auf. Ein Umstand, der seine Haltung zum Leben prägte und vor allem seinen Ehrgeiz weckte – nämlich bei allem, was er unternahm, vorne mit dabei zu sein! So auch bei seiner ersten Tätigkeit als Holzfäller. Eine der Arbeiten betraf die Freimachung der Trasse für die Straße entlang des Kamp-Stausees zwischen Dobra und Ottenstein. Als ein Fahrer krank wurde, kletterte Alois Ohrfandl auf seine erste Laderaupe – zunächst ohne, kurze Zeit später aber mit der offiziellen Genehmigung des Bauleiters. Wir schreiben das Jahr 1960 und neben seiner Frau hatte Alois Ohrfandl die zweite große Liebe seines Lebens getroffen! Die Laderaupe, eine CAT 933F, befand sich im Besitz der heute nicht mehr bestehenden Baufirma Kahrer mit Sitz in Krumau – ein Unternehmen, dem Alois Ohrfandl bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1996 die Treue hielt. Heute kaum mehr vorstellbar: Mit einer 6 Volt Anlage wurde der Startmotor der 933F angeworfen, der Hauptmotor verdichtet und erst dann der Dieselmotor gestartet. Immerhin 12.000 Stunden fuhr Ohrfandl auf der 933F, bevor sie durch eine 955H im Jahr 1964 abgelöst wurde, die bereits über einen Batteriestarter verfügte. Mit dieser absolvierte Ohrfandl 17.000 Betriebsstunden, ehe er 1969 auf eine 955K wechselte. Ein Besonderheit unter seinen Laderaupen bleibt für Ohrfandl seine nächste Laderaupe: eine CAT 955L. Einerseits weil er mit dieser die meisten Arbeitsstunden leistete, anderseits weil er mit ihr auch Glück im Unglück hatte. Ohrfandl: „Ich war im Raum Ottenstein beim Forstwegebau eingesetzt, als sich bei der Arbeit auf der Böschung ein großer Stein unter mir löste. Die Raupe war nicht mehr zu halten, ich hab nur noch das Gas vorgeschoben und bin runter zu den Pedalen! Sie hat dann komplett überschlagen und ist mit den Ketten oben liegen geblieben. Ich war eingeklemmt, aber zum Glück unverletzt. Nachdem wir sie wieder aufgestellt hatten, habe ich in der Aufregung leider den Fehler gemacht, zu starten, ohne die Düsen zu kontrollieren. Der Klang der Maschine war furchtbar! Trotz dieses Unfalls habe ich mit dieser Raupe aber am längsten gearbeitet, nämlich 24.311 Betriebsstunden!“ Auch einen zweiten Unfall – bei den Abbrucharbeiten eines Bauernhofes stürzt seine Raupe in einen nicht bekannt gegebenen Keller – übersteht er zum Glück unverletzt. 1988 investiert die Firma Kahrer in eine neue Laderaupe und Ohrfandl fährt seine erste 963 (noch ohne Buchstabenkennung). Ein Wechsel, der einen echten Umstieg bedeutet: „Durch den Wechsel vom Front- zum Heckmotor war die Sicht für den Fahrer deutlich besser und brachte mich sogar in die Lage, eine Schubraupe zu ersetzen. Dazu kam der Wechsel auf nur einen Steuerhebel bzw. vom Powershift-Getriebe der 955er Serie zum hydrostatischen Antrieb. In Summe brachte die 963er gewaltige Verbesserungen für den Fahrer! Auch die Kabinen wurden immer besser, denn im Winter haben wir früher schon viel mitgemacht.“ Bis zur Pensionierung im Jahr 1996 fuhr Ohrfandl mit der 963er weitere 14.000 Stunden. Bis zu diesem Zeitpunkt war er übrigens auch regelmäßig für Vorführungen von CAT Laderaupen bei Kunden unterwegs, eine Tätigkeit, die er seit 1965 ausübte. Doch auch jetzt hielt sich das Interesse am Ruhestand in Grenzen: Schon kurze Zeit später wurde der Pensionist von der Firma Wielach in Fuglau reaktivert, wo er weitere 14.000 Stunden auf einer neuen 963B abspulte. Als dieser Betrieb nach zehn Jahren nicht mehr weitergeführt wurde, war von Pension noch immer keine Rede. So arbeitet Alois Ohrfandl heute bei der bereits erwähnten Firma Wagner in Schönbach auf einer 963C mit Spezialaufreißer – inzwischen auch schon wieder 4.000 Stunden!

„Die Laderaupe kann mehr, als ihr die meisten zutrauen!“
Es ist aber nicht nur der Arbeits- und Einsatzwille des Alois Ohrfandl, der beeindruckt. Wenn es rund um den Truppenübungsplatz erdbaumäßig irgendwo eng wurde, lautete der letzte Ausweg oft: „Da muss der Ohrfandl ran!“ Beispielsweise, wenn es galt Felsen wegzuräumen, wo nicht gesprengt werden durfte oder ein exaktes Planum im Wege- und Parkplatzbau gefragt war – bei vielen Gelegenheiten zeigte er mit der kleinen Raupe den Baggern, wo der Hammer hängt. Mit einem Schmunzeln erzählt er: „Im Stift Altenburg war ich für Aushubarbeiten bestellt, die Böschung sollte aber ein Bagger machen. Ich ließ mir die Baustelle auspflocken unter dem Vorwand, dass ich weiß, wo ich aufhören muss. Dann habe ich rasch alles erledigt und als der Bauleiter zurückkam fragte er: Wo hast du denn den Bagger her? Darauf ich: Na, da steht er ja!“ Auch bei rund hundert Tennisplätzen, deren Planum durch den Kunststoffbelag im Promille-Bereich stimmen musste, zeigte Ohrfandl, was er kann. Ganz zu schweigen von den vielen Baugruben, die er ausgehoben hat und wo er immer wieder zu hören bekam, es sei doch Schwachsinn, dafür eine Laderaupe einzusetzen. Aus Spaß hat er dann manchmal die Spuren der Raupe beseitigt, eine saubere Kante gesetzt und die ratlosen Gesichter der Auftraggeber genossen. Auch im Waldwegebau zeigte er immer wieder, wie rasch und sauber der Transport von Wurzelstöcken und Felsen mit einer Raupe erledigt werden kann. Und Wolfgang Grün ergänzt: „Trotz seines Alters kenne ich niemanden, der schneller auf der Raupe oben ist, als der Alois!“ Keinen Zweifel lässt Ohrfandl daran, für welche Marke sein Herz schlägt: „Ich habe mit meinen CAT Raupen über die Jahre immer wieder gegen andere Marken antreten müssen, aber ich habe mich dabei eigentlich immer so gefühlt, wie sich der Klitschko heute im Ring fühlen muss – die haben keine Chance! Wo sich andere Rahmen bereits verbogen haben, konnte ich noch immer zulegen.“ Abschließend meint der glückliche Vater von fünf erwachsenen Kindern: „Im Vergleich zum Holzfällen ist das Raupenfahren ja keine wirkliche Plage. Die Jungen sind aber nicht mehr so belastbar. Wenn die am Nachmittag über ihren Rücken zu jammern anfangen, werde ich gerade erst lustig! Ich will aber niemanden den Arbeitsplatz wegnehmen, so lange man mich braucht, freue ich mich aber auf jeden neuen Einsatz!“ Die BBB und ihre Leser wünschen Alois Ohrfandl jedenfalls noch viele erfüllte Jahre auf seiner Laderaupe!

Seit über 30 Jahren sind Wolfgang Grün, zuständiger Gebietsbetreuer der Firma Zeppelin, und Alois Ohrfandl (rechts) ein starkes Team.
Die Fahrer-Legende im Einsatz auf der aktuellen CAT 963C mit Spezialaufreißer für die Firma Wagner in Schönbach, hier mit Firmenchef Andreas Wagner.
Die CAT Laderaupen 933F bei Tankstellenarbeiten in Neupölla im Jahr 1960,
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